* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren





Aus Sicht einer Frau...

* Letztes Feedback
   21.08.16 19:15
    sehr interessant, danke!
   24.08.16 20:51
    Die Videos von Frau Dr.K
   16.09.16 15:37
    Hallo Indylo, Auch di
   16.09.16 15:38
    Hallo Shoshanna, Ich
   5.10.16 22:41
    ich habe das buch nur zu
   9.10.16 18:33
    Hi Mareike, Ja, gena








Falsche Seiten "geliked"? Willkommen in der DDR!

Nach dem katastrophalen Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern ein weiterer Schlag für die lokale CDU. Der Kandidat für den Justizministerposten, Sascha Ott, wird doch kein Minister. Warum? Er habe einige AfD-Seiten sowie AfD-nahe Seiten "geliked". Die Kanzlerin war höchstpersönlich in die Entscheidung involviert.

Ich bekomme Gänsehaut... Das erinnert mich an die kommunistischen Zeiten. Damals konnte man den Studien- oder Arbeitsplatz (oder manschmal gar die Freiheit) für den Besitz eines falschen Buchs verlieren. Ich dachte diese Zeiten sind vorbei.

Großes Lob an den Beinahe-Minister für seine Haltung nach dem Rückzug seiner Nominierung:

"Schließlich sagte Ott, er habe sich an ein Verhör mit der Stasi erinnert, dass diese mit ihm Anfang der achtziger Jahre geführt habe weil er eine Brieffreundin in Bayern gehabt habe. Damals habe er sich dafür entschuldigen müssen. "Das muss ich heute nicht, das werde ich auch nicht. Wie ich hier stehe, bin ich nicht bereit, mich in einen Käfig politischer Korrektheiten gefangen zu halten", sagte er." (Süddeutsche Zeitung)

Was würde denn passieren, wenn die AfD bei der nächsten Bundestagswahl auf Platz 1 landen würde? Würde die Kanzlerin den Ausnahmezustand ausrufen?

25.10.16 16:52


Helfen Menschenrechtler den Menschen?

Die Frage mag befremdlich klingen, ist aber durchaus berechtigt.

Mittlerweile entwickelte sich um beinahe jede Form der Diskriminierung oder Benachteiligung eine gewaltige Industrie, die aus Aktivisten, Meinungsmachern und Medien besteht. Ob diese nur das Wohl der benachteiligten Gruppe vor Augen haben, bezweifle ich.

Ein aktuelles Beispiel ist die Arbeit der Aktivisten verschiedener Hilfsorganisationen im Dschungel von Calais. Dass die meisten dort lebenden Menschen illegale Migranten sind, ist jedem klar, der ein bisschen Verstand hat. Würde es sich um Flüchtlinge mit berechtigtem Asylanspruch handeln, hätten sie schon längst einen Asylantrag gestellt, anstatt unter schrecklichen Bedingungen zu vegetieren und immer wieder ihr Leben zu riskieren beim Versuch Richtung Dover zu gelangen. Kurz gesagt: es handelt sich um Menschen, die aller Wahrscheinlichkeit nach abgeschoben werden sollten (wenn man geltende Gesetze anwenden will - wer diese grundsätzlich in Frage stellt, wird vielleicht eine andere Meinung haben). Und was tun die "Menschenrechtsaktivisten"? Mischen sich unter Migranten, animieren sie zur Gewalt gegen die Polizei und geben ihnen Hoffnungen, die mit der Realität wenig zu tun haben. Ist das menschenfreundlich?

Anderes Beispiel: Ich habe in einem der letzten Beiträge über die Problematik der Importbräute geschrieben. Es gibt überraschend einfache Ansätze, die Anzahl der Importbräute/-bräutigame zu reduzieren. Dazu gehört beispielsweise das 2002 in Dänemark eingeführte Mindestalter von 24 Jahren bei Familiennachzug. Welche Auswirkungen hat eine solche Einschränkung?

Die Importbräute sind größtenteils sehr junge, ungebildete Frauen, die wenig Chance auf eine Integration auf dem Arbeitsmarkt haben. In der Regel bleiben sie nach der Ankunft in Europa zu Hause, bedienen ihre Schwiegereltern und kümmern sich um den Nachwuchs. Da sie häufig eher Mädchen als Frauen sind, können sie sich schwer gegen den Ehemann oder seine Eltern durchsetzen. Auch der Ehemann hat es nicht leicht: ein in Europa geborener und sozialisierter junger Mann hat plötzlich an seiner Seite eine Frau, die unselbstständig und ganz von ihm abhängig ist. Vielleicht hatte er schon eine "einheimische" Freundin, mit der er gerne zusammen bleiben würde? Wie soll er das aber mit 18 Jahren seiner Familie erklären und notfalls auch durchsetzen? Das dürfte mit 24 deutlich einfacher sein. Zudem wäre eine Verheiratung mit einer Frau aus dem Herkunftsland wesentlich weniger attraktiv, wenn diese schon 24 wäre. Wer weiß, ob sich eine Mitte-Zwanzigerin alles gefallen lassen würde!

Meine Meinung zum Thema Mindestalter ist klar: Ich halte es für eine vernünftige und wichtige Maßnahme, die zur Integration beiträgt und im Kampf gegen Zwangsehen sehr sinnvoll ist.

In Deutschland war die rechtliche Situation lange entspannt. Der Familiennachzug war meistens ab 16 möglich. Im Jahr 2007 kam erst der Vorschlag, das Alter auf 21 zu erhöhen. Leider fiel der Kompromiss enttäuschend aus: beschlossen wurde die Erhöhung auf 18. Wer hat am lautesten gegen den Gesetzentwurf protestiert? Na klar, Menschenrechtler und dazu die linke Politik, allen voran die SPD. Manchmal wundere ich mich, wie naiv diese Menschen sind. Wer kommt denn zu uns im Rahmen der Familienzusammenführung, ihrer Ansicht nach? Etwa türkische Medizinstudentinnen, die einen Deutschen im Urlaub kennenlernten und sich bis über beide Ohren verliebt haben?

Hier zum Nachlesen:

- http://www.taz.de/!456731/

- https://en.m.wikipedia.org/wiki/24-year_rule

- https://www.perlentaucher.de/essay/freiheit-ist-nicht-huerriyet.html

24.10.16 20:04


Ärztliche Aufklärung in Abu Dhabi

Ein befreundeter Narkosearzt kam vor einigen Jahren auf die Idee, ins Ausland auszuwandern.

Er erzählte mir vor kurzem, welche Länder auf seiner Liste potentieller Ziele standen und was letztendlich ausschlaggebend war. Unter anderem hat er sich in einem großen Krankenhaus der Maximalversorgung in Abu Dhabi als Leiter der Intensivstation/Wachstation beworben. Die Klinik machte zunächst einen sehr guten Eindruck und auch der finanzielle Aspekt war verlockend. Am zweiten Tag seiner Reise stellte er fest, dass die Stationen für Frauen und Männer voneinander komplett getrennt sind und zum Teil in unterschiedlichen Gebäuden liegen. Da es aber abzusehen war, dass er in der leitenden Position auch mit den Gegebenheiten des Frauen-Hospitals vetraut sein sollte, begleitete er die Ärzte zu einem Patientengespräch. Es ging um die Planung einer Myomentfernung (Myome sind gutartige Geschwülste der Gebärmutter, die manchmal Schmerzen machen). Die Patientin, eine Witwe, kam in Begleitung ihres 8-jährigen Sohns. Der Ablauf der Operation und die eventuellen Komplikationen wurden ausführlich erklärt, zu großer Freude des deutschen Narkosearztes ("so weit alles tiptop und nach den Regeln der Kunst", dachte er).

Wie groß war seine Überraschung, als sich ergeben hat, dass der Sohn der Operation zustimmen sollte, nicht die Frau...

Heute lebt der Narkosearzt in Holland.

23.10.16 12:53


Was ist eine Importbraut?

Ich sah vor Jahren eine Reportage über die Demonstrationen nach der Veröffentlichung des Buchs von Thilo Sarrazin "Deutschland schafft sich ab". Abgesehen davon, dass offensichtlich Hunderte Menschen gerne an Demos gegen ein Buch teilnehmen, dass sie nicht gelesen haben (was ich allerdings wegen der Hippie-Stimmung der bunten Demos durchaus nachvollziehen kann), wurde eine große Anzahl von unterschiedlichen Transparenten produziert.

Auf einem konnte man lesen: "Was ist eine Importbraut?".

Damals wusste ich selbst nicht wirklich, was damit gemeint ist, und habe angefangen darüber zu lesen.

Die Definition ist einfach: eine Importbraut ist eine meistens junge/sehr junge und nicht gut gebildete Frau aus dem Herkunftsland des Bräutigams, die nach der Hochzeit zu ihrem Mann nach Deutschland zieht. Das Phänomen ist geradezu endemisch für die muslimische Community; eine kleine Minderheit bilden Frauen aus dem fernen Osten (Vietnam, Thailand), die einen deutschen Partner z.B. online kennenlernen. Ich werde aber über die türkischen/arabischen Importbräute sprechen. Natürlich gibt es auch ein männliches Pendant dazu, nämlich einen Importbräutigam, der beispielsweise aus der Türkei anreist und ein hier geborenes Mädchen türkischer Herkunft heiratet.

Üblicherweise kennen sich die beiden Partnern wenig. Manchmal gibt es vorher ein Treffen, manchmal handelt es sich um eine entfernte Cousine, mit der man schon früher während der Sommerferien in Anatolien spielte, manchmal wird die ganze Angelegenheit von den Familien so arrangiert, dass sich das Paar erst am Hochzeitstag kennenlernt.

Für die Integration ist dieses Phänomen von immenser Bedeutung. Normalerweise stellt man sich die typische Dynamik einer Einwandererfamilie so vor: Eine Generation zieht aus ihrem Herkunftsland in ein neues Land, baut dort eine Existenz auf und bekommt Kinder. Diese zweite Generation wächst zweisprachig auf, wird in ihrer neuen Heimat sozialisiert, hat Freunde aus beiden Kulturkreisen. Wenn diese Kinder erwachsen sind, finden sie häufig einen einheimischen Partner, und so entsteht die dritte Generation, die mit dem ursprünglichen Herkunftsland weniger verbindet als die zweite. Die Menschen gehören von Generation zu Generation kulturell immer mehr zur neuen und weniger zur alten Kultur. Das ist ein ganz normaler Prozess, den jeder beobachten kann, der polnische, italienische oder russische Freunde hat. Ich will damit nicht sagen, dass eine vollständige Assimilation in den ersten drei Generationen erfolgen muss oder wünschenswert ist - es ist ein natürlicher Prozess, den ich ohne Wertung beschreibe.

Kommen Importbräute ins Spiel, wird es komplizierter. Die türkischen/arabischen Mädchen kommen nach Deutschland und landen hier häufig in einer Parallelgesellschaft, die bestens funktioniert. Es gibt einen türkischen/arabischen Arzt, Anwalt, Bäcker... Kontakte zu Deutschen gibt es kaum. Da diese jungen Frauen im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland kommen (ich spreche nicht von Flüchtlingen!), müssen sie weder am Deutsch- noch an einem Integrationskurs teilnehmen. Häufig wissen sie nicht mal, welche Rechte sie haben und dass sie auch nach einer Scheidung in Deutschland bleiben dürften. Ihre Hauptaufgabe wird die Versorgung des Ehemanns und der Schwiegereltern. Sie bekommen früh ein Kind und - da sie nicht arbeiten - meistens gleich ein zweites und ein drittes. Die Integration dieser dritten Generation fängt wieder bei Null an. Da in den muslimischen Kulturen die Mutter die meiste Erziehungsarbeit leistet, und der Vater arbeiten geht, sprechen viele dieser Kinder bei der Einschulung kein Deutsch. Hilfe bei den Hausaufgaben? Fehlanzeige. Wie soll die beste und liebevollste Mutter der Welt ihren Kindern dabei helfen, wenn sie selbst keine Bildung genossen hat? Alles, was der Staat in den Ehemann/Vater investiert hat (Schule, Ausbildung), wird in diesem Fall nicht oder nur begrenzt an die nachfolgende Generation weitergegeben.

Als ich über die Importbräute gelesen habe, dachte ich sofort an meine Patientinnen, die häufig seit 20-30 Jahren in Deutschland leben, und weiterhin kein Deutsch sprechen. Ihre Söhne sprechen zwar perfekt Deutsch, aber was bringt es, wenn für sie möglicherweise auch schon eine Cousine im anatolischen Dorf als künftige Ehefrau ausgesucht wurde? Es fängt also wieder von vorne an...

Dabei war das Thema näher als ich dachte! Letzte Woche unterhielt ich mich mit einer unserer Arzthelferinnen. Yasmin ist eine intelligente, ambitionierte junge Frau mit unglaublich langen Wimpern (sie sind echt!) und schönem schwarzem Haar. Sie kleidet sich sehr westlich und unterscheidet sich nicht von ihren deutschen Kolleginnen - außer dass sie alle, selbstverständlich auch ich, um die Wimpern beneiden. Wie überrascht ich war, als sie mir erzählte, dass ihre Mutter eine klassische Importbraut war! Der Begriff war auch ihr bekannt.

Yasmins Vater ist in Deutschland als Sohn von Gastarbeitern geboren. Seine ältere Schwester wollte Ingenieurin werden und hat nach dem Abitur das Studium begonnen, bevor in der Familie beschlossen wurde, dass sie einen entfernten Verwandten in der Türkei heiraten und dort leben wird (eine Art "Exportbraut", sozusagen). So wie Yasmin mir das schilderte, war ihre Tante anfangs mit ihrem Ehemann - den sie auch ein bisschen vor der Heirat kannte - sehr glücklich. Leider war eine Fortsetzung des Studiums im kleinen Dorf nicht möglich, so dass Yasmins Tante mit ihrem Ehemann, der keine Ausbildung hat, heute auf dem Feld arbeitet und ihr deutsches Leben ein bisschen vermisst. 

Kurz nach der Hochzeit, als Yasmins Tante noch auf Wolke sieben schwebte, lernte sie eine nette junge Nachbarin in ihrem kleinen Dorf kennen. Es wurde schnell gehandelt, die Nachbarin wurde dem Bruder während den Ferien vorgestellt und - zack! - diesmal wurde eine Braut nicht in die Türkei exportiert, sondern nach Deutschland geholt. Ja, ihr dürft raten - das war Yasmins Mutter, die heute sehr wenig Deutsch spricht und manchmal unser Team mit orientalischen Leckereien bekocht. Yasmin selbst hat bis zur Einschulung kein Deutsch gesprochen und hat hinter sich eine recht typische türkische Bildungskarriere mit Hauptschule, Umschulung, Realschule und Ausbildung. Yasmin sagt, dass das Phänomen Importbraut auch in ihrer Generation keine Seltenheit ist; sie selbst habe aber mit den frisch aus der Türkei angereisten Frauen wenig gemeinsame Themen, so dass es meistens bei den sporadischen Treffen bei Familienevents bleibt.

Und mich wird ein Gedanke nicht los: wenn diese junge, ehrgeizige Frau mit sechs schon perfekt Deutsch gesprochen hätte, wäre sie heute Ärztin?

17.10.16 20:10


Geschichten aus dem Flüchtlingsheim Part II

Hier kommt eine kleine Geschichte, die so absurd und auf eine eigenartige Weise lustig ist, dass ich mich kaum ärgern kann.

Ein afghanisches Ehepaar mit einem kleinen Kind ist nach einer strapaziösen Reise in Deutschland angekommen und hat Asyl erhalten. Das ganze zog sich wie üblich mehrere Monate, und in dieser Zeit ist die Frau schwanger geworden. Das zweite Kind kam gesund zur Welt. Das einzige Problem war, dass der Ehemann Verdacht schöpfte, dass er nicht der Vater ist. Es warf seiner Frau Untreue vor und verstieß sie, so dass sie mit den beiden Kindern ein anderes Zimmer in der Einrichtung bekommen musste.

Und jetzt kommt das Interessante...

Er ging die ganze Zeit davon aus, dass seine Frau jetzt nach Afghanistan abgeschoben wird. 

Er dachte ernsthaft, dass der Aufenthaltstitel seiner Frau ausschließlich auf der Ehe und seiner Anwesenheit im Lande beruht!

 

Am Ende der Geschichte fragte ich Thomas, ob der Verdacht begründet war. Er meinte ja, die Frau habe es wohl auch eingeräumt.

 

Na dann, alles halb so wild!

17.10.16 18:20


Das Leben ist absurder als gedacht

Die BILD-Zeitung berichtet heute über die Empörung der iranischen Medienlandschaft nach dem Besuch der Umweltministerin aus Teheran in Berlin. Dafür hat dieses Foto gesorgt:

Zu sehen ist Massoumeh Ebtekar und deutsche Bundesministerin für Umwelt Barbara Hendricks. Grund für Empörung? Iraner dachten, dass Frau Hendricks ein Mann ist, und der Handschlag zwischen Mann und Frau würde gegen den Ayatollah-Sittenkodex verstoßen (ähnlich übrigens wie eine homosexuelle Beziehung, Alkoholtrinken und Pornofilme... es sei denn, man kommt aus der richtigen Familie). Glücklicherweise konnte ein Skandal verhindert werden, nachdem das Geschlecht von Frau Hendricks offiziell bestätigt wurde.

Die Absurdität des Lebens übertrifft mein Vorstellungsvermögen...

9.10.16 18:58


"Ich habe mir aber eine Ärztin gewünscht!"

Als Frauenarzt ist man an einen sensiblen, rücksichtsvollen Umgang mit Patientinnen gewöhnt. Den intimsten Problemen muss mit absoluter Professionalität begegnet werden. Ob Frauenarzt oder Frauenärztin - das ist wiederum sehr individuell. Manche Frauen gehen gerne zum Frauenarzt, manche, besonders jüngere, zu einer Ärztin.
 
Heute kam es in unserem Kreissaal zu einem kleinen Kulturen-Clash. Ein typischer Mittwochmorgen, ein Kaiserschnitt hinter uns, der zweite steht noch aus. Plötzlich kommt unser jüngster Narkosearzt Tobias sehr verunsichert aus einem der Vorbereitungsräume und sagt: "Die Patientin hat sich eine Anästhesistin gewünscht!".
 
Wir Geburtshelfer sind an der Ich-wünsche-mir-eine-Frau-zur-Geburt-Front einiges gewohnt - auch wenn wir immer deutlich darauf hinweisen, dass es nicht garantiert werden kann, dass eine Gynäkologin zur Verfügung stehen wird. Aber Narkosearzt? Ernsthaft?
 
Nun ist Tobias nicht nur jung, sondern auch sehr lieb und hilfsbereit. Zwei Minuten später hing er schon am Telefon und fragte seinen Chef, ob es vielleicht doch irgendwo eine Anästhesistin gäbe, die "einspringen" könnte. Herr Chefarzt war - der Lautstärke des Gesprächs nach zu urteilen - von der Idee wenig angetan, eine seiner Ärztinnen mitten während einer Narkose aus einem OP-Saal abzuziehen. Ich würde mir auch als schlafende Patientin wünschen, dass meine Narkoseärztin bei mir bleibt, und nicht einfach mal für einen kurzen Einsatz ausgeliehen wird.
 
Frau-gegen-Mann-Tausch ging also nicht... Tobias gab aber nicht auf und entwarf mit einer der Anästhesieschwestern folgenden Plan: Er wird zunächst nicht in den OP-Saal reinkommen. Die Schwester wird die Patientin auf den OP-Tisch setzen, den Rücken abwaschen und so abkleben, dass nur ein Loch zu sehen wird - genau dort wo Herr Doktor seine Spritze für die Rückenmarknarkose setzen soll. Ziel: möglichst wenig nackte Haut sichtbar. Eine anästhesiologische Burka, sozusagen. Hier unterbrach ich das Brainstorming der befreundeten Fachdisziplin und schlug Tobias vor, der Patientin gemeinsam die schreckliche Nachricht zu überbringen, um dem eventuellen kulturellen Schock mit meinem mütterlichen Charme vorzubeugen. Das Angebot nahm Tobias dankbar an.
 
Das Gespräch verlief knapp: Tobias entschuldigte sich für etwas, was nicht seine Schuld war - nämlich für den Besitz eines Y-Chromosoms, und ich wies die Patientin darauf hin, dass in Deutschland Frauen manchmal von Männern behandelt werden, und umgekehrt, und "je früher Sie sich daran gewöhnen, desto besser".
 
Tobias ist fast ohnmächtig geworden (gut, dass wir bereits im Krankenhaus waren).
 
 
1000$-Frage: Woher kommen gut ausgebildete, versierte Ärztinnen in einem Land, in dem Frauen nur von Frauen behandelt werden dürfen? Antwort: Es gibt sie nicht.
 
Wen dieses Thema interessiert, wird sich über das Buch "Allah & Eva: Frauen in Pakistan" freuen. Die niederländische Autorin Betsy Udink lebte einige Jahre in Islamabad, und - anstatt in einem diplomatischen goldenen Käfig zu bleiben - bereiste das Land und lernte seine Sitten kennen. Cave: Das Buch lässt sich nur in kleinen Portionen lesen, da es wahnsinnig deprimierend ist!
 

26.9.16 18:32


Bloß kein Referendum!

Am 2.10 fanden zwei wichtige Referenden statt: in Ungarn über die Verteilung der Flüchtlinge und in Kolumbien über ein Friedensabkommen mit der FARC-Guerilla.

Zunächst ein Fakt: In Kolumbien haben 37% der Wahlberechtigten gewählt, in Ungarn 43%.

Während die Wahlbeteiligung in Kolumbien in deutschen Medien ein "Armutszeugnis der Demokratie" genannt wurde, sprach man von einem "Sieg der Demokratie" in Ungarn.

Kann mir das jemand erklären?

5.10.16 21:16


Integration light

Mein Schwager arbeitet vier Stunden pro Woche in einer Erstaufnahmeeinrichtung und ist dort eine Art Hausarzt für alle. Seine Erlebnisse sind vielfältig und neben den vielen schönen Momenten, die er mit uns teilt, gibt es auch Schattenseiten.

Vor einer Woche wurde er von einer syrischen Asylbewerberin um eine Bescheinigung gebeten, die sie vom Deutschkurs befreien würde. Das ist eine ungewöhnliche Bitte, da die meisten zum Kurs gerne gehen, auch wenn mit einer wechselnden Regelmäßigkeit. Warum möchte sie nicht Deutsch lernen, fragte Thomas. Ihre Mutter sei verstorben, und man könne ihr doch nicht zumuten, jetzt zum Kurs zu gehen, sagte die Frau. Wann ist die Mutter gestorben? Vor drei Monaten, in Syrien.

Mein Schwager ist ein gutmütiger, geduldiger Mensch, aber diese Erklärung hat ihn etwas aus der Fassung gebracht: "Sie kommen doch nach Deutschland, um hier ihr Leben neu zu beginnen. Sie müssen Deutsch sprechen, um ihre Kinder in der Schule anzumelden, um arbeiten zu können", versuchte er zu erklären.

"Ich muss nicht arbeiten", sagte die nun etwas entsetzte Frau.

Ihr könnt euch vorstellen, dass einem ehrenamtlich arbeitenden Arzt, der diese Tätigkeit neben seiner normalen Vollzeitstelle ausübt, nach dieser Antwort der Kragen anfängt zu platzen. Wie stelle sie sich das denn vor, ohne zu arbeiten, fragte er. Schließlich arbeiten hier alle, er auch.

Nein, sie müsse nicht arbeiten, antwortete sie. Alles würde der Staat bezahlen, hieß es. 

Nach einem kleinen Aufklärungsgespräch war sie sich dessen nicht mehr so sicher, dafür aber maßlos enttäuscht.

 

Sind das die falschen Hoffnungen, die Schlepper den Flüchtlingen erzählen, um sie nach Deutschland zu locken? Oder hat sie recht? Kann man sich hier mit Sozialhilfe und Kindergeld eine nicht luxuriöse, aber durchaus gemütliche Existenz aufbauen? Wem darf ich - als eine der Personen, die dieses mitfinanzieren dürfen - diese Fragen stellen?

16.9.16 16:01


Kinderehe - ah wie niedlich!

In den letzten Monaten durften wir immer neue Facetten der Bereicherung entdecken, die uns im vergangenen Jahr neben einer Million Menschen (plus minus einige Hunderttausend) geschenkt wurden.

In meine persönliche Top Five der schönen neuen Traditionen schafft sicherlich das Phänomen der Kinderehe, das uns hierzulande noch wenig vertraut ist.

Schon der Begriff der Kinderehe verharmlost natürlich einiges. Wenn zwei Fünfjährige im Kindergarten spielerisch eine Hochzeitszeremonie nachmachen, nachdem sie an einer teilnehmen durften, kommt mir das Wort "Kinderehe" in den Sinn. Wenn zwei verknallte Teenager den Eltern zum Trotz darauf bestehen zu heiraten, dann denke ich auch an die Kinderehe, auch wenn mit gewisser Sorge, ob es eine wirklich gute Idee ist, mit 17 eine Familie zu gründen.

Das, was wir heute beobachten, ist wiederum eher ein arrangiertes Kinderschänden.

Beispiel aus dem klinischen Alltag: Ein Flüchtlingsehepaar aus Afghanistan, sie - 14, er - 26. Sie - schwanger mit Zwillingen, Analphabetin. Soll man sie trennen? Wird es der jungen Frau helfen? Oder soll man die beiden sein lassen, auch wenn es einem Bauchschmerzen bereitet zu wissen, dass eine 13-jährige heiraten musste und nun Mutter wird, bevor sie überhaupt ein Teenager sein konnte? So oder so macht man es falsch. Ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit überkommt mich, wenn ich an die beiden denke. Wird diese junge Mutter eine Chance auf Bildung haben? Wird sie irgendwann schreiben und lesen lernen? Ich weiß es nicht. 

Viele mutige Journalisten und Fotografen haben sich diesem Thema gewidmet. Eine von ihnen ist US-Amerikanerin Stephanie Sinclair. Ihre Arbeit wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet:

http://pulitzercenter.org/projects/child-brides-child-marriage-too-young-to-wed

 

Ein Land, das für seine Affinität zur Kinderehe bekannt ist, ist Jemen. Hier ist es nicht nur üblich, Mädchen im Alter von 9 oder 10 zu ehelichen, es wird auch explizit von den islamischen Geistlichen unterstützt. Nachdem wiederholte Meldungen über Todesfälle in der Hochzeitsnacht (ratet mal, ob es um die Braut oder den Bräutigam geht) die Öffentlichkeit erreichten, versuchten die Regierenden per Gesetz das Mindestalter für Heirat anzuheben. Nachlesen kann man hier:

- Eight-Year-Old Bride Dies From Deep Vaginal Tearing On Wedding Day: https://jeromiewilliams.com/2013/09/10/2385/

- Child bride, 13, dies of internal injuries four days after arraged marriage in Yemen: http://www.dailymail.co.uk/news/article-1264729/Child-bride-13-dies-internal-injuries-days-arranged-marriage-Yemen.html

Imame im Dienst des Kinderschutzes? Fehlanzeige. Die Empörung über das geplante Verbot der Kinderehe war enorm; schließlich wurde es als unislamisch abgelehnt. Argumentiert wurde u.a. mit der persönlichen Geschichte des Propheten, der seine Lieblingsfrau Aisha im zarten Alter von sechs oder sieben Jahren (je nach Überlieferung) heiratete, mit dem Vollzug der Ehe jedoch wartete, bis sie neun oder zehn war. Wie kann man einen Man verehren, der mit einem Kind schlief? Kann man es? Im Prinzip hat der heutige Islam zwei Möglichkeiten mit diesem Problem umzugehen. Eine wäre: Ok, so steht es im Koran, aber die Überlieferung ist falsch und Aisha war in Wirklichkeit älter. Oder der heilige Text muss im geschichtlichen Kontext gesehen und damit relativiert werden. Das wäre auch ein guter Ausgangspunkt, um sich auch mit weiteren frauenfeindlichen Stellen im Koran und in den Hadithen auseinander zu setzen. Sonst bleibt einem wirklich nichts anderes übrig als zu sagen: Es tut mir leid, dass Euer Prophet ein Pädophiler war.

15.9.16 22:46


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung